JOSEPH HUBERT PILATES
Joseph Hubert Pilates wurde 1880 in Düsseldorf geboren, war als Kind durch Krankheiten sehr geschwächt, beschäftigte sich früh mit Gymnastik, Bodybuildung, Yoga und Zen-Meditation und war u.a. Berufsboxer, Turner, Zirkusartist und Lehrer für Selbstverteidigung an Polizeischulen. Während des Ersten Weltkrieges kam er in ein britisches Internierungslager und entwickelte ein spezielles Körpertraining - "Contrology". Er verstand darunter eine "vollständige Koordination von Körper, Verstand und Geist".
In den 20er Jahren übersiedelte er nach New York, wo er zusammen mit seiner Frau Clara ein Studio eröffnete und u.a. mit den TänzerInnen Rudolph von Laban, Martha Graham und George Balanchine arbeitete. Schon damals war das Training individuell auf die KlientInnen abgestimmt, um eine Zentrierung und Stabilisierung des Körpers zu erreichen. J.H. Pilates praktizierte bis ins hohe Alter, entwickelte spezielle Trainingsgeräte sowie Sitz- und Liegemöbel, war Buchautor und starb im Alter von 87 Jahren in New York.
Seine Ideen zur Gesundheitsvorsoge sind aktueller denn je. In seinem Buch "Return to Life Through Contrology" aus dem Jahr 1943 machte er auf Haltungsschäden aufmerksam, empfahl angemessene Diäten, Sonnenlicht und Frischluft, ausreichenden Schlaf und Unterbrechungen des Arbeitstages durch regelmässige Übungen. Er war nicht nur ein Pionier der Gesundheitsphrophylaxe sondern auch der Gesundenvorsorge, da er jedem Erwachsenen über 40 Jahre zu regelmässigen Kontrolluntersuchungen riet.
Das heutige Pilates Training basiert auf "Contrology", wurde von seinen SchülerInnen unter dem Einfluß neuer medizinischer Erkenntnisse stetig weiterentwickelt und an die individuellen Bedürfnisse der KlientInnen angepasst.
Aufgrund von langjährigen Rechtsstreitigkeiten in den USA wurde die Methode erst spät in Europa bekannt und gewinnt seither zunehmend an Popularität.
Von Joseph Hubert Pilates selbst stammt die Aussage: "After 10 hours you feel the difference - after 20 hours you see it, too - after 30 hours you get a new body."
Auf der Homepage des amerikanischen Fotojournalisten I.C. Rapoport finden Sie seltene Aufnahmen von J.H. Pilates aus dem Jahr 1961. >>> I.C. Rapoport
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PILATES PRINZIPIEN
Aufgebaut ist die Pilates Methode nach 8 Prinzipien:
Entspannung
Die Entspannung dient dazu den Alltagsstress abzubauen und bildet die Voraussetzung für ökonomische Bewegungen.
Konzentration
Die Konzentration auf den Bewegungsablauf der Übungen schärft unsere Wahrnehmung und hilft beim Abbau von Alltagsspannungen.
Atmung
Die Aufmerksamkeit bei der Atmung wird in den unteren Brustkorb gelenkt und die Rippen werden durch die Bewegung des Zwerchfells in alle Richtungen ausgedehnt. Die bewusste Pilates Atmung während der Übungen fördert einen besseren Sauerstoffaustausch, hilft beim Stressabbau, ermöglicht entspannte Bewegungen und stärkt die Körpermitte.
Ausrichtung
In den jeweiligen Ausgangspositionen - Stand, Rückenlage, Seitenlage, Bauchlage, Vierfüsslerstand, Langsitz, Sitz - wird eine individuelle Ausrichtung der Gelenke - insbesondere der Wirbelsäule und die neutrale Position des Beckens erarbeitet. Beim neutralen Becken wird das Becken in eine Mittelstellung gebracht, sodass das Schambein und die beiden vorderen oberen Darmbeinstachel auf einer Ebene parallel zum Boden liegen, dabei wird die Lendenwirbelsäule weder in den Boden gedrückt noch zu stark vom Boden abgehoben. In dieser Stellung werden die vorderen und hinteren unteren Rumpfmuskeln gleichmässig aktiviert.
Zentrierung
Bei der Zentrierung wird mithilfe der tiefen Bauchmuskeln (Musculus Transversus abdominis), der Beckenbodenmuskulatur (Diaphragma pelvis) , der kurzen bzw. schrägen Rückenmuskeln (Musculus Multifidus) sowie des Zwerchfell (Diaphragma) eine stabile Körpermitte erarbeitet, das sogenannte Powerhouse. Das Ziel ist diese stabile Mitte bei allen Übungen aufrechtzuerhalten und längerfristig in den Alltag zu integrieren.
Bewegung
Die Bewegungen erfolgen kontrolliert und harmonisch im Atemrhythmus.
Koordination
Das Zusammenspiel von Ausrichtung, Zentrierung, Atmung und Bewegung verbessert die Koordinationsfähigkeit.
Kondition
Durch das regelmässige Training und die herausfordernden Übungen erfolgt nicht nur eine Konditionierung der tiefliegenden stabilisierenden Muskulatur sondern eine allgemeine Verbesserung der Ausdauer und Belastungsfähigkeit.
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ÜBUNGSBEISPIEL
The Hundred - die Hundert
Diese Übung wird in Rahmen eines Basiskurses vermittelt und ist in mehreren aufbauenden Schritten zerlegt. Begonnen wird in Rückenlage mit hüftbreit aufgestellten Beinen sowie senkrecht zur Decke zeigenden Armen mit zu den Füssen schauenden Handflächen. Das Becken wird neutral eingestellt, beim Einatmen die Wirbelsäule lang denken und mit der Ausatmung Beckenboden- und tiefe Bauchmuskulatur aktivieren, Kopf leicht heben und zusammen mit dem Oberkörper etwas hochrollen, Arme sinken auf seitliches Hüftniveau. In dieser Position wird nun mit pumpenden schnellen gestreckten Armbewegungen jeweils auf 5 Atemzüge ein- und 5 Atemzüge ausgeatmet bis die Zahl 100 erreicht wird. Dabei muss darauf geachtet werden, dass die Länge der Wirbelsäule aufrechterhalten und das neutrale Becken stabil bleibt sowie die Atmung in den seitlichen Brustkorb gelenkt wird. Je nach Fortschritt und Dehnbarkeit wird die Ausgangsposition dahingehend verändert, dass die Beine in einer rechtwinkligen Position in der Luft gehalten bzw. zur Decke gestreckt werden. Diese Übung stärkt unser Kraftzentrum, verbessert die Kondition und Koordination.

!!!!!!! Diese Übung soll nur als Beispiel dienen und ist ohne Gewähr !!!!!!
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AUFBAU DES TRAININGS
Das Pilates Mattentraining ist als aufbauendes Training zu verstehen - Matwork I - II - III. Es beginnt mit Basisübungen, bei denen die Grundprinzipien vermittelt und Hilfsmittel wie elastische Bänder, Bälle und Pölster verwendet werden. Je fortgeschrittener die Gruppen sind, desto schwieriger und herausfordernder werden die Übungen. Weiters werden Kleingeräte wie die Pilates Rolle und der Pilates Circle eingebaut.
Das Training kann in Einzel- bzw. Gruppenstunden gemacht werden. Um eine effiziente und individuelle Betreuung anbieten zu können, muss die Anzahl der TeilnehmerInnen begrenzt werden. Die Übungen werden vorgezeigt und die TeilnehmerInnen durch gezielte Handgriffe seitens des Trainers unterstützt.
Neben dem Mattentraining wird in den klassischen Pilates Studios ein Training mit Geräten angeboten mit klingenden Namen wie Reformer, Cadillac, Barrel, Chair u.a.. Für das Training mit den Geräten bildet das Mattentraining eine gute Basis.
Ich biete kein Gerätetraining an, kann Ihnen aber hierfür das Pilates Zentrum Telfs von Mag. Maria Felsern Scheiring sowie die Pilates Akademie Innsbruck von Anna Maria Müller empfehlen.
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FRAGEN
Ich habe hier ein paar grundlegende Fragen zu Pilates zusammengestellt. Für weitere Fragen können Sie mich kontaktieren.
Für wen ist Pilates geeignet und für wen nicht?
Vom Lebensalter gibt es prinzipiell keine Begrenzungen, wobei aber das klassische Training für Kinder nicht geeignet ist. Die Übungen können an die jeweiligen körperlichen Begebenheiten von Jugendlichen bis älteren Erwachsenen individuell angepasst werden. Weiters wichtig erscheint es mir, darauf hinzuweisen, dass Pilates für Frauen UND Männer geeignet ist.
Gibt es Kontraindikationen für das Pilates Training?
Das Pilates Training darf KEINE Schmerzen verursachen. Im Falle von akuten Schmerzzuständen sollten Sie das Training pausieren und eine ärztliche Abklärung ins Auge fassen. Das Einnehmen von schmerzreduzierenden Medikamenten beeinträchtigt Ihr Schmerzempfinden und Ihre Bewegungswahrnehmung, sodass Sie ebenfalls von einem Training absehen sollten. Bei Schwangerschaft sollte eine Erlaubnis vom behandelten Facharzt eingeholt werden, zwischen der 8. und 12. Schwangerschaftswoche muss das Training ausgesetzt werden.
Warum wird die TeilnehmerInnenzahl bei einem Gruppentraining begrenzt?
Die einzelnen Übungen werden zuerst vom Trainer vorgezeigt und dann mittles verbalen Instruktionen vermittelt. Dabei werden die TeilnehmerInnen mit gezielten Handgriffen durch die Übungen begleitet. Um dieses notwendige Feedback für alle effizient gestalten zu können, muss die Teilnehmerzahl begrenzt werden.
Gibt es in Österreich Richtlinien für die Ausbildung zum Pilates Trainer?
Es gibt in Österreich keine Richtlinien für die Ausbildung zum Pilates Trainer. Die Ausbildungsintensität ist abhängig von den jeweiligen Anbietern.
Gibt es Pilates Training auf Krankenschein?
Derzeit gibt es kein Pilates Training auf Krankenschein. Wenn Sie eine Zusatzversicherung für ambulante Leistungen abgeschlossen haben, müssen Sie bei Ihrer Versicherung nachfragen, ob Kosten für das Pilates Training als Gesundheitsprophylaxe übernommen werden. Die Wiener Gebietskrankenkasse startete im September 2007 ein Pilotprojekt im 10. und 15. Bezirk, bei dem für ein Jahr von VorsorgeärztInnen Bewegungskurse (u.a. Pilates) auf Krankenschein verordnet werden können.
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